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Pressekonferenz „Satt haben oder Satt machen? Moderne Landwirtschaft stellt sich dem Dialog“

Bernhard Krüsken, DBV; Marcus Holtkötter, Initiative "Wir machen Euch satt"; Prof. Thomas Blaha , Tierärztliche Hochschule Hannover; Stephan Becker-Sonnenschein, DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT; Jochen Fritz, Initiative "Wir haben es satt"; Jochen Dettmer, Agrarbündnis © DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT, Fotograf: Oliver Elsner
Bernhard Krüsken, DBV; Marcus Holtkötter, Initiative "Wir machen Euch satt"; Prof. Thomas Blaha , Tierärztliche Hochschule Hannover; Stephan Becker-Sonnenschein, DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT; Jochen Fritz, Initiative "Wir haben es satt"; Jochen Dettmer, Agrarbündnis © DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT, Fotograf: Oliver Elsner

Pressekonferenz  „Satt haben oder Satt machen? Moderne Landwirtschaft stellt sich dem Dialog“

Zum ersten Mal saßen die Initiatoren der beiden Agrar-Demos „Wir haben es satt!“ und „Wir machen Euch satt!“ an einem Tisch und stellten sich wortwörtlich dem Dialog. Und das Interesse war riesengroß: Rund 65 Journalisten, Mitarbeiter aus den Ministerien und den Bundestagsbüros sowie Verbändevertreter drängelten sich in den Räumen.

Trotz der Unterschiedlichkeit haben nämlich alle Landwirte der beiden Initiativen mit denselben Problemen zu kämpfen: Sinkende Milchpreise, niedrige Preise für Getreide, der Russland-Boykott oder die geänderten gesellschaftlichen Ansprüche – das alles trägt zum rapiden Strukturwandel in der Landwirtschaft bei. Vor allem die ethischen Forderungen nach mehr Transparenz in der Lieferkette und nach artgerechter Haltung beschäftigen die Bauern.

Stephan Becker-Sonnenschein, Geschäftsführer des Vereins Die Lebensmittelwirtschaft eröffnete die Jahres-Pressekonferenz deshalb auch mit der Frage, wie denn die unterschiedlichen oder eben auch gemeinsamen Lösungen und Antworten auf den Strukturwandel der Landwirtschaft aussehen könnten?

Marcus Holtkötter (Wir machen Euch satt!) betonte, dass sich vor allem in Sachen Tierwohl in der Landwirtschaft sehr viel getan habe. Allerdings haben sich die Landwirte zu lange aus der öffentlichen Diskussion rausgehalten. Dies wolle die Initiative ändern: „Sprecht mit uns und nicht über uns. Deutschland hat eine vielfältige Landwirtschaft, vom Kleinbetrieb bis zur Agrargenossenschaft, alle laufen bei uns mit und gehören dazu.“ Eine gemeinsame Demo mit „Wir haben es satt!“ wird es nicht geben können, da zu viele Gruppierungen sich hier zusammentun. Aber es gibt einige Anknüpfungspunkte, die man gemeinsam diskutieren sollte, wie der Strukturwandel gestaltet werden kann.

Jochen Fritz (Wir haben es satt!) wendete sich gegen die Großbetriebe und sieht sie als einen der Gründe für das Höfesterben. „Die Schuld dafür liegt nicht bei einzelnen Landwirten, sondern in der Politik, die diese Entwicklung fördert. Wir müssen bei der landwirtschaftlichen Produktion hin zu einer Qualitätsorientierung.“ Von einer Diffamierung der Bauern distanzierte er sich, das sei nicht das Ziel der Demonstration.

Beide Initiativen haben Gemeinsamkeiten in Zielsetzung und Absicht, der Weg ist aber unterschiedlich, meint Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands. „Es gibt in Deutschland viele Marktsegmente, die wir wegen der Wertschöpfung alle adressieren müssen. Also: Masse und Qualität, und nicht entweder oder.“

„Alle an einen Tisch bringen – eigentlich wäre das die Aufgabe des Bundeslandwirtschaftsministers gewesen“, meinte Jochen Dettmer, Vorstandsmitglied im Agrarbündnis. „Ich sehe beide Demonstrationen als eine Bereicherung der Diskussion an. Obwohl wir nicht in allen Punkten einer Meinung sind sehe ich die Bereitschaft, einen gemeinsamen Weg zu gehen und den Strukturwandel in der Landwirtschaft gemeinsam zu bewältigen.“

Prof. Dr. Thomas Blaha, Tierärztliche Hochschule Hannover, bekräftigte dass das Tierwohl sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert hätte. „Die Qualität der Betreuung der Tiere durch den Menschen ist ausschlaggebend, nicht die Größe des Betriebes.“ Er mahnt aber auch an, dass der Bürger, der seine ethischen Einstellungen formuliert, diese als Verbrancher nicht außer Acht lassen solle. „Tierschutz ist im Grundgesetz als Staatsziel verankert. Wir brauchen nun eine Task Force, die das Theoretische praktisch umsetzt.“