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Kein Risiko durch Dioxin im Ei

Jeden Tag ein Ei…?

Ob Supermarkt, Wochenmarkt oder Discounter: Wir alle vertrauen darauf, dass unsere Lebensmittel sicher sind. Dioxin sorgte immer wieder für öffentliche Aufregung. Viele Skandale, doch nichts ändert sich? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Selbst wo Betrugs- und Verdachtsfälle schon ausgeräumt sind, bleibt bei vielen ein diffuses Gefühl über: War da nicht etwas?

Infografik 1

Infografik 1

Tatsächlich ist viel geschehen. Heute ist der Dioxingehalt in Eiern im Vergleich zu früher stark gesunken. Ein Mensch müsste Dutzende Eier pro Tag essen, um einen kritischen Dioxin-Grenzwert zu überschreiten (s. Infografiken 2 und 3). Dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung dazu rät, weniger als drei Eier pro Woche zu essen, hat deshalb auch nichts mit Dioxin zu tun. Eier enthalten Fett und Cholesterin– beides sollten Sie nur in Maßen zu sich nehmen. Allerdings enthalten Eier aber auch fast alle Vitamine: Ein durchschnittlich großes Hühnerei deckt unter anderem bis zu 35 Prozent des täglichen Bedarfs an Vitamin D.

Dioxin im Ei ist also keine Gesundheitsgefahr für den Menschen. Trotzdem bleibt Dioxin in Lebensmitteln natürlich ein Thema, das Behörden und Unternehmen genau im Blick haben. Denn Dioxin findet sich eben nicht nur in Eiern, sondern auch in anderen Lebensmitteln. Das Ziel muss deshalb sein, dass die Grundbelastung für uns Menschen so niedrig wie möglich bleibt.

Was hat sich verbessert?

Die von Dioxinverunreinigung betroffenen Unternehmen und vor allem die staatlichen Behörden haben in den vergangenen Jahren viel unternommen, um den Dioxingehalt in Lebensmitteln dauerhaft niedrig zu halten. Allein seit dem Jahr 2011 ist einiges geschehen. So wurde in den vergangenen Jahren das Dioxin-Monitoring ausgebaut, indem ein Frühwarnsystem installiert wurde. Die Mitteilungspflichten über Gehalte an Dioxinen und ähnlichen Stoffen in Lebens- und Futtermitteln wurden 2012 neu und strenger geregelt. Die entsprechende Verordnung gilt seit dem 1. Mai 2012. Eine Meldepflicht für private Laboratorien, die es bisher nicht gegeben hatte, war bereits im August 2011 in Kraft getreten.

Auf EU-Ebene einigten die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten sich darauf, die Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe rechtlich zu verankern. Die entsprechende EU-Verordnung gilt seit dem 16. September 2012. Außerdem sind zum gleichen Datum die rechtlichen Vorgaben für die Futtermittelkontrolle 
erweitert worden. Produzenten müssen zudem schärfere Eigenkontrollen durchführen.

Mehr Transparenz

In Deutschland ist die Überwachung bei Lebensmitteln und Futtermitteln Ländersache. Die Daten aus den Ländern laufen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zusammen, wo sie bisher einmal jährlich zu einer bundesweiten Statistik zusammengefasst und ausgewertet werden. Die Länder prüfen derzeit eine gemeinsame Verwaltungsvereinbarung, um dieses Verfahren flexibler zu machen und es so zu konstruieren, dass ein bundesweiter Überblick über die Situation nicht nur einmal im Jahr, sondern jederzeit möglich ist. Außerdem ist zum 1. September 2012 das deutsche Verbraucherinformationsgesetz verändert worden, um mehr Transparenz für die Verbraucher zu schaffen. Damit geht eine behördliche Veröffentlichungspflicht bei Grenzwertverstößen einher. Diese Neuregelung ist seit dem 1. September 2012 gültig.

Infografik 2

Infografik 2

Dioxin: ein Dauerthema?

So weit, so gut. Und trotz all dieser Maßnahmen enthält jedes Hühnerei Spuren von Dioxin. Denn leider wird Dioxin nach wie vor kontinuierlich in die Umwelt eingebracht – hauptsächlich als Nebenprodukt aus der Metallgewinnung und -verarbeitung. Doch genauso wie für die Abfallverbrennung, die früher Hauptquelle der Dioxinemissionen war, gibt es für die Metallproduktion mittlerweile strenge Vorschriften. Infolge dessen ist die Dioxinkontamination der Umwelt drastisch gesunken.

Das bedeutet eine wesentlich geringere Grundbelastung der Böden und Futtermittel und damit unserer Lebensmittel. Das wirkt sich direkt auf die Belastung des menschlichen Körpers aus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung wertet die sogenannte „Körperlast“ in einer fortlaufenden Studie an Muttermilchproben aus. Das Institut stellt seit Jahren eine stark sinkende Tendenz fest. Selbst wenn ein junger Erwachsener von heute an ein Jahr lang täglich zwei Eier mit einer vierfachen Überschreitung des Dioxin-Höchstgehalts zu sich nähme – die Dioxinbelastung bliebe bei weniger als der Hälfte der durchschnittlichen Werte von vor 20 Jahren.

Trotz dieser positiven Befunde ist weiterhin eine gezielte Beobachtung der Belastung von Lebens- und Futtermitteln erforderlich. Die Dioxinforschung bleibt deshalb weiterhin ein wichtiges Thema. Künftig sind auch die Wasserpfade (z.B. Ostssee-Hering und Dorschleber) und der häufigere Betrieb von Öfen und Kleinfeuer-/Heizanlagen als Quelle der Dioxinbelastung des Menschen zu berücksichtigen.

Infografik 3

Infografik 3

Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ernährungsbericht 2012, S. 237 ff, Kapitel 4 „Lebensmittelsicherheit“
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Stellungnahme „Kein gesundheitliches Risiko durch den Verzehr von Eiern und Fleisch auf der Basis aktuell ermittelter Dioxingehalte“ Stellungnahme Nr. 002/2011 des BfR vom 26. Januar 2011
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Dioxinen und PCB in Lebensmitteln; Aktualisierter FAQ des BfR vom 13. April 2012 
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: BfR rät zu regionalen Verzehrsempfehlungen für frische Dorschleber; Stellungnahme Nr. 038/2007 des BfR vom 13. Juli 2007
  • Oberritter et al: Der DGE Ernährungskreis – Darstellung und Basis der lebens-mittelbezogenen Empfehlungen der DGE. ErnährungsUmschau international 2/2013 S. 27 
  • Max-Rubner-Institut (Hrsg.): Nationale Verzehrsstudie II. 

Infografik »Dioxin im Ei« (c) DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT als Grafik zum Download (*.jpg, 238 KB)