Im September 2016 wurden die Gewinner des von dem Verein DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT initiierten Food Crowdfunding Award „Meine Spezialität“ prämiert. Insgesamt sind 23 Projekte in den Wettbewerb gestartet, der auf der Plattform Startnext durchgeführt wurde.
Im Interview sprechen Stephan Becker-Sonnenschein (Geschäftsführer von DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT) und Anna Theil (Head of Communication bei Startnext) über die Idee des Awards und erklären, was junge Food-Startups beachten sollten.

crowdfunding.de: Was hat die Lebensmittelwirtschaft dazu veranlasst, einen Crowdfunding-Award für Foodprojekte zu initieren?

Stephan Becker-Sonnenschein: Die Food-Startup-Szene ist sehr lebendig. Hier entstehen neue Produkt- und Vermarktungsideen praktisch am laufenden Band. Unser Award „Meine Spezialität“ ist als Auszeichnung für Engagement gedacht. Lebensmittel, Spezialitäten werden immer durch die Personen geprägt, die sich intensiv mit ihnen auseinandersetzen – und damit etwas Neues schaffen. Wir wollen zeigen, wie groß das Engagement, die Vielfalt und die Freude an der Lebensmittelbranche ist. Und das ist uns auch gelungen, immerhin haben sich mehr als 60 Food-Projekte bei uns beworben. Und mehr als 2.000 Leute haben unsere Projekte unterstützt.

Warum eignet sich Crowdfunding zur Realisierung neuer Food-Konzepte?

Stephan Becker-Sonnenschein: Vegan, vegetarisch, Paleo… Unsere Ernährung spezialisiert sich immer mehr und wird individueller. Jeder möchte selbst entscheiden, was er isst. Per Crowdfunding kann der Verbraucher ein Stück weit mitbestimmen, wie die Zukunft der Ernährung aussieht. Und das Startup bekommt ein direktes Feedback der Crowd, ob die Idee gut ist oder nicht.

Inwieweit können die Innovationsabteilungen etablierter Unternehmen Crowdfunding bei der Neuproduktentwicklung nutzen?

Anna Theil: Auch etablierte Unternehmen können natürlich Crowdfunding nutzen, um neue Ideen am Markt zu testen und zu finanzieren. Auf Startnext hat beispielsweise die vegane Supermarktkette Veganz einen Food Truck erfolgreich mit rund 24.000€ erfolgreich finanziert. (Projekt anschauen)

Eine der größten Herausforderungen ist es sicherlich einen Platz im Supermarktregal für das eigene Produkt zu bekommen. Was kann jungen Unternehmen geraten werden, um den Zugang zum Handel zu bekommen?

Stephan Becker-Sonnenschein: Der Handel mit Lebensmitteln unterliegt strengen Regeln, die Sicherheit aber auch Transparenz gewährleisten. Diese Regeln müssen alle umgesetzt werden, bevor man im Handel gelistet werden kann. Daher sollte man sich genau über die Gesetzeslage informieren und alle Produkte entsprechend analysieren und kennzeichnen.

Zu welchen Zeitpunkt startet ein Food-Projekt idealerweise ein Crowdfunding? Konzeptphase oder schon im Vertrieb?

Anna Theil: Beides kann sinnvoll sein, entweder um den Start zu finanzieren oder um das Food-Projekt noch bekannter zu machen. Wichtig ist, dass es schon gutes Bildmaterial gibt, so dass der Unterstützer sich ungefähr vorstellen kann, was er unterstützt.

Was sollten Food-Startups beachten, die ein Crowdfunding starten?

Anna Theil: Bei Food-Projekten lohnt es sich wirklich gute Bilder auszuwählen, da die Projekte dann häufig über Social Media Kanäle geteilt und in Blogs oder in der Presse vorgestellt werden. Ansonsten ist es wichtig, die Idee auf den Punkt zu bringen, zu erklären, was man anders macht und einen aussagekräftigen Titel zu wählen. Bei den Gegenleistungen für die Unterstützer würden wir empfehlen die Food-Produkte zu realistischen und nicht überteuerten Preisen anzubieten. Regionale Food-Projekte können ihren Vorteil nutzen, da sie ihre potenziellen Unterstützer einladen können, zum Beispiel zu einer Verkostung.

Kann man sagen in welchen „Food-Kategorien“ Crowdfunding besonders gut funktioniert?

Anna Theil: Im Food-Bereich funktionieren Ideen besonders gut, die ein Alleinstellungsmerkmal haben, weil das Produkt z.B. anders produziert wird, die Zutaten anders kombiniert werden oder es in der Stadt oder Region ein neues Konzept ist. Auf Startnext werden aktuell sehr erfolgreich Getränke-Innovationen, vegane Produkte, neue Riegel, Food Trucks, verpackungsfreie Supermarkte, Craft Beer Brauereien und Landwirtschaftsprojekte finanziert.

Gibt es Beispiele für erfolgreiche Lebensmittelunternehmen, die über Crowdfunding finanziert wurden?

Anna Theil: Inzwischen gibt es unglaublich viele! Diese 3 Kampagnen lohnt es sich anzuschauen:

  • Das DÖRRWERK ist eine Berliner Manufaktur für Snacks aus 100% gerettetem Obst, also aus Früchten, die aufgrund optischer Mängel nicht verkauft werden, obwohl sie noch hervorragend schmecken. Daraus machen sie köstliches Fruchtpapier. (Projekt anschauen)
  • Die Giesinger Brauerei aus München hat gerade den Rekord für das erfolgreichste Craft Beer Projekt mit 120.000€ geknackt. (Projekt anschauen)
  • Das Food-Startup koawach ist auf Startnext gestartet und war danach auch in der Höhle der Löwen sehr erfolgreich. Bei Koawach wird bester Kakao mit dem Wachmacher Guarana gemischt, so sind die Trinkschokoladen eine echte Alternative zu Kaffee oder Energy Drink. (Projekt anschauen)

Das Gespräch führte Michel Harms. Das Interview ist zuerst erschienen auf Crowdfunding.de: http://www.crowdfunding.de/crowdfunding-award-fuer-food-projekte-interview/

Mehr Informationen

„Meine Spezialität“ – Crowdfunding Award
Bei dem „Bottom-Up“ Award für Food-Projekte bestimmt die Crowd, wer als Sieger aus diesem Contest hervorgeht. Die meistgewählten Food-Startups erhalten Preisgelder in Höhe von insgesamt 24.000 Euro. Zusätzlich vergibt eine Experten-Jury einen Sonderpreis an ein besonders innovatives Projekt. Gewinner 2016