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Berlin, Februar 2015

Editorial

Die Internationale Grüne Woche ist zu Ende, doch die IGW-Erkältung läuft noch. Grund sind Keime, die überall auf Gläsern sitzen, in der Luft herumschwirren, an Tischen und Türgriffen haften. Sie sind etwas ganz natürliches. Tag und Nacht versuchen solche Erreger, in den menschlichen Körper einzudringen, allerdings fast immer vergeblich. Wenn es zu einer schwereren bakteriellen Infektion kommt, setzt der Arzt ein Antibiotikum ein. Doch was, wenn die Erreger gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich sind? So genannte „Methicillin Keime“ waren wieder einmal Thema vieler Presseberichte. Anlässlich der Grünen Woche veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Studie zur Verbraucherwahrnehmung von Antibiotikaresistenzen. Kernergebnis: Mehr als 80 % der Verbraucher haben schon einmal von antibiotikaresistenten Bakterien gehört, mehr als 60 % sind davon beunruhigt. Damit stehen Antibiotikaresistenzen ganz oben auf der Sorgenliste der Verbraucher, noch vor Chemikalien und Rückständen von Pflanzenschutzmitteln und weit vor der eigenen Lebensmittelhygiene zu Hause.

Keime auf Oberflächen von Lebensmitteln sind nicht zu unterschätzen und können Schaden anrichten. Denn wissenschaftliche Studien belegen: Häufige Erreger lebensmittelbedingter Infektionen sind Salmonellen, Campylobacter und Noroviren. Der größte Teil der Ausbrüche mit nachvollziehbarem Ursprung vollzog sich in den vergangenen Jahren in Privathaushalten und der Gastronomie. Also vor allem jenem Ort, wo Verbraucher am wenigsten Sorgen haben, kommt der Lebensmittelhygiene in Bezug auf Keime eine entscheidende Bedeutung zu.

Allerdings macht das Vorhandensein von bestimmten Keimen auf Lebensmitteln nicht automatisch krank. Neben der Art der Keime, spielen auch die Menge der Keime, die Küchenhygiene oder der persönliche Gesundheitszustand eine Rolle. DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT hat hierzu in Zusammenarbeit mit Paul Andrei aus dem Wissenschaftlichen Beirat ein Dossier zum Thema „Keime sicher beherrschen. Hygienetipps für die Fleischzubereitung“ erarbeitet.

Als Ursache für die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen wird von der Mehrheit der Befragten (53 %) der BfR-Studie der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung genannt. Auch wenn laut Zahlen des RKI/BfR nur 2% der Infektionen auf Nutztier-assoziierte MRSA-Keime zurückzuführen sind,

muss auch die Lebensmittelbranche, die seit Jahren die Sicherheitssysteme optimiert, ihre Anstrengungen weiter fortsetzen. Hierzu sieht die auf der IGW vorgestellte Initiative Tierwohl u.a. die verbindliche Teilnahme am Antibiotika-Monitoring vor.

Neben dem Thema Keime gab es im Rahmen der Grünen Woche natürlich weit überwiegend sehr viel appetitlichere Themen. Und natürlich war auch die LEBENSMITTELWIRTSCHAFT wieder auf der IGW aktiv und dort im Rahmen von Kooperationen mit FNL und BVE/BLL vertreten – mehr dazu in unserem Rückblick. Darauf aufbauend starten wir nun in den Februar, der von ISM, ISPO, Fruit Logistica und anderen Messen und Themen geprägt ist.

 

Ihr Stephan Becker-Sonnenschein

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Rückblick

Vortrag: Gemeinsam mit dem Beauftragten der evangelischen Kirche für agrarsoziale Fragen, Dr. Clemens Dirscherl und Christiane Manthey (Verbraucherzentrale Baden-Württemberg) diskutierte Stephan Becker-Sonnenschein mit Landwirten und Verbrauchern beim Hohebucher Agrargespräch 2015 am 9. Januar zum Thema „Der Wert des täglich Brot im Spannungsfeld von Preis und Qualität“.

Pressekonferenz: Bei ihrer Jahrespressekonferenz am 12. Januar, zu der über 40 interessierte Journalisten, Mitglieder und Verbandsvertreter gekommen waren, stellte DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT u.a. die Ergebnisse der Reputationsstudie von TNS Infratest vor. Demnach hat sich die Reputation von Lebensmitteln deutlich verbessert: Der so genannte Reputationsindex ist um sieben Indexpunkte- von 39 auf 46 gestiegen.

IGW 2015: Auch auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche war DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT aktiv und lud gemeinsam mit dem FNL und dem DBV am 19. Januar zum MedienabendKommunikationswege der Zukunft - wie Online-Videos ein Millionenpublikum erreichen“. Die Reputationsstudie war Thema in der Abendschau von TV Berlin zur TNS  am 22. Januar,

Auf dem Stand von BVE und BLL war Stephan Becker-Sonnenschein mit jeweils einem Gast zu Diskussionsrunden geladen. „Tierwohl - Deutschland ein Vorreiter?“ mit Prof. Dr. Dr. Jörg Hartung, Leiter des Instituts Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie, „Transparenz & Nachhaltigkeit – was erwarten die Verbraucher?“ mit Alexandra Heinermann, Geschäftsführerin von Sure-Global-Fair, sowie „Food 2030 - welche Innovationen erwarten uns?“ mit Norbert Reichl, Food-Processing Initiative e.V., rundeten die Programmgestaltung von BVE und BLL ab.

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