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Berlin, November 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Jahr 2014 neigt sich allmählich dem Ende entgegen und erreichte für DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT am 5. November im Meistersaal in Berlin mit unserem Symposium „Vielfalt Transparent gestalten?“ seinen diesjährigen Höhepunkt.

Mit unserer Grundlagenstudie „Verbraucherverständnis von Transparenz“ haben wir einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, erstmals Bedürfnisse, Erwartungen und Nutzen von Verbrauchern in Bezug auf Transparenz zu ermitteln. Interessanterweise fällt 38 Prozent der Verbraucher spontan nichts zum Begriff Transparenz bei Lebensmitteln ein. 77 Prozent der Verbraucher fordern aktiv keine zusätzlichen oder umfangreicheren Informationen, da sie sich entweder ausreichend informiert fühlen (53 Prozent) oder bereits Überlastung empfinden und kein Interesse haben (24 Prozent). Generell gilt also: Verbraucher wollen nicht mehr Detailinformationen, sondern ein besseres Verständnis komplexer Prozesse und Vorgänge, das zu einem tatsächlichen Wissenszuwachs führt. Eine Flut an Details verwirrt und führt nicht zu mehr Verständnis. Mehr Interessante Fakten und Zahlen zur Studie finden Sie übrigens in unserem White Paper zur Studie, das Sie sich auf unserer Website herunterladen können.

Unser Ziel ist  es, auf dieser Grundlage einen offenen Dialog und einen gemeinsamen Austausch zum Thema Transparenz herbeizuführen. Es gilt zu erkennen, wo die Schwelle der Überforderung liegt und wie man Information für Verbaucher aufbereiten muss. Dass Transparenz bei Lebensmitteln ein wichtiges und emotionales Thema ist, zeigte aber auch unser diesjähriges Symposium.

Daher freue ich mich umso mehr, einige Impressionen der vergangenen Woche in diesem Sondernewsletter mit Ihnen zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Stephan Becker-Sonnenschein

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Thema und Resonanz

Das diesjährige Symposium befasste sich mit zahlreichen Aspekten rund um das Thema Transparenz. 200 Besucher aus Presse, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft folgten unserer Einladung  in den Meistersaal in Berlin. Auf dem Symposium lieferten auch in diesem Jahr hochkarätige Referenten spannende Impulse und diskutierten diese anschließend offen.

Zeitgleich waren die Gäste aufgefordert, sich auf Twitter unter #LMWVielfalt direkt zu beteiligen. Moderiert wurde das Symposium von Henrike Roßbach, Parlamentskorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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MARKUS MOSA: „DAS HIGHLIGHT DES JAHRES, QUASI EIN KLEINER TAG DER LEBENSMITTEL.“

Markus Mosa, Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstands DIE LEBENSMITELWIRTSCHAFT e.V., begrüßte den diesjährigen Schwerpunkt der Veranstaltung und verwies auf die allgegenwärtige Forderung nach mehr Transparenz in der Gesellschaft. Dabei unterstrich er die Forderung nach einer offenen Debatte aller Beteiligten, um zu verstehen, was mit Transparenz eigentlich gemeint sei und wie Transparenz von Lebensmitteln umgesetzt werden solle.

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GRUßWORT VON DR. MARIA FLACHSBARTH

Dr. Maria Flachsbarth begrüßte die angestoßene Debatte zu den Transparenzerwartungen in der Gesellschaft. Transparenz dürfe nicht als notwendiges Übel verstanden werden, sondern schaffe Vertrauen. Als Beispiele, wie die Politik zu einer Transparenzsteigerung beitragen könne, nannte Dr. Flachsbarth die aktuelle Umsetzung der Lebensmittel-Informationsverordnung sowie die Initiative „Klarheit und Wahrheit“, welche einen breiten Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern fördern würden.

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IMPULS AUS DER WISSENSCHAFT

„Verbraucherverständnis von Transparenz“ – unter diesem Titel präsentierte Prof. Dr. Achim Spiller die Ergebnisse der im Auftrag von „DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT e. V.“ erstellten Studie. Durch die Einteilung in unterschiedliche Verbrauchergruppen stellte Prof. Dr. Spiller dar, wie Transparenzbedürfnisse variieren. Das Ergebnis zeigte dabei deutlich: Ein einheitliches Verständnis von und eine einheitliche Forderung nach Transparenz gibt es nicht. Eine zentrale Erkenntnis der Studie sei Prof. Dr. Spiller zufolge auch die paradoxe Einstellung der Verbraucher. Obwohl der Verbraucher Transparenz fordere, würden bereits vorhandene oder zusätzlich eingeforderte Informationen selten genutzt. Neben dem Transparenz-Paradoxon betonte der Referent die hohen Informationsbedürfnisse in Bezug auf landwirtschaftliche Produkte, die Bedeutung des Erstkaufs eines Lebensmittels und die Kostenfrage der Transparenz.

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DIE ROLLE DER VERBAUCHERORGANISATIONEN

Wie die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest der Forderung nach mehr Transparenz gerecht wird, schilderte Frau Dr. Birgit Rehlender in ihrem Beitrag. Besonders durch die neutrale, sachkundige und objektive Durchführung der Tests, die Bewertung der Ergebnisse und die Präsentation im Test-Magazin gewinne der Verbraucher großes Vertrauen in die Arbeit der Stiftung. Auch Dr. Rehlender verwies auf ihre Erfahrung mit den unterschiedlichen Transparenzbedürfnissen der Leserschaft.

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TRANSPARENZ IN EINER DIGITALISIERTEN WELT

Einen Blick in die Zukunft wagte Christoph Keese, Executive Vice President von Axel Springer SE. Die Digitalisierung werde in naher Zukunft unseren Alltag massiv verändern, erklärte Keese. Auch die Lebensmittelwirtschaft werde durch diese zunehmende Digitalisierung vor große Herausforderungen gestellt werden. Selbstfahrende Autos, Lieferdrohnen und weitere technische Entwicklungen würden nicht nur die Prozesskette von Lebensmitteln verändern – viele Produkte würden aufgrund von Algorithmen schlicht aufhören zu existieren. Diese würden den Wettbewerb komplett verändern und auf lange Sicht zu Monopolen führen. Transparenz und Vertrauen würden also gerade im Internet immer wichtiger.

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OFFENER DIALOG UND AKTIVE BETEILIGUNG

In der anschließenden Fishbowl-Diskussion wurden von den Referenten weitere Aspekte des Themas Transparenz beleuchtet. Dabei hatten Gäste aus dem Publikum Gelegenheit auf der Bühne mitzudiskutieren und Fragen aus den Online-Kanälen wurden beantwortet. Stephan Becker-Sonnenschein zeigte sich erfreut über den Verlauf der Veranstaltung und fasste die Diskussion zusammen: „Für mich wurde durch die heutige Diskussion klar, dass Transparenz in der Prozesskette ganz vorne beginnt, womit sich auch die Bedeutung von Frische und Herkunft in der Studie erklären. Man muss sich  bewusst werden, dass die Komplexität von Transparenz für die gesamte Prozesskette gilt und sich nicht nur in Detailinformationen einzelner Produkte wiederfindet“.

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UNSER FAZIT

Insgesamt zeigte das zweite Symposium, dass Transparenz in der Lebensmittelbranche ein sehr emotionales und wichtiges Thema ist. Gleichwohl wird die Vorstellung darüber was Transparenz eigentlich bedeutet, höchst unterschiedlich interpretiert. Das Symposium und die vorliegende Studie haben einen ersten Beitrag dazu geleistet, dieses weite Feld zu erfassen und besser zu verstehen. Mit dem Thema Transparenz haben wir aus Sicht des Verbrauchers zu klären versucht, was ihm wichtig ist. Es hat sich gezeigt, dass die gesellschaftspolitische Diskussion zum Thema Transparenz und Nachhaltigkeit sehr eng miteinander verknüpft sind. Das Thema Zukunftssicherung wird uns daher auch im nächsten Jahr auf dem Symposium begegnen.

Freuen wir uns gemeinsam auf den Tag der Lebensmittel 2015!

Einen ausführlichen Bericht zum Symposium finden Sie unter folgendem Link.

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